Hin zu einer neuen Mobilitätspolitik

Die verschiedenen Meinungen und die lebhaften Diskussionen zur geplanten Velostation verstehe ich vor allem auch als Zeichen dafür, dass vielen von uns Luzernerinnen und Luzernern die Gestaltung des Stadtzentrums, die Zugänglichkeit des Bahnhofs und der zukünftige Umgang mit der Mobilität wichtig sind. Uns stehen mit den bevorstehenden Bauprojekten (Theater, Durchgangsbahnhof, Fernwärmenetz, etc.) einschneidende und gewichtige Veränderungen bevor. Das Stadtbild wird sich verändern, und wir Bewohner:innen werden flexibel sein müssen.

 

Klimafreundliche Mobilität soll uns die Investition in die Velo- und ÖV-Infrastruktur wert sein.
Christa Wenger, Grossstadträtin, Co-Präsidentin GRÜNE Stadt Luzern

Auch die Klimakrise verlangt nach Veränderungen – eine davon ist eine neue Ausrichtung der Mobilitätspolitik. Ein Ja zur Velostation ist ein deutliches Bekenntnis zu einer klugen und speditiven Kombination von Velo und ÖV, Wir gehen damit vorausschauend das bevorstehende Parkplatzproblem an und leiten eine zeitgemässe Verlagerung auf ökologische und flächeneffiziente Verkehrsmittel ein. Dieser grosse Schritt in Richtung klimafreundliche Mobilität soll uns die Investition in die Velo- und ÖV-Infrastruktur wert sein.

Auch wenn ich heute noch mein Velo vor der Hauptpost abstelle, lege ich ein überzeugtes Ja für dieses zukunftsgerichtete Projekt in die Urne.

Christa Wenger, Co-Präsidentin GRÜNE Stadt Luzern, Grossstadträtin

 

 

Leserbrief vom GRÜNEN Mitglied Urs Reutimann

Im Komitee gegen den Velotunnel findet man Jungfreisinnige, Vertreterinnen der Hotellerie und des TCS. Da muss ein Irrtum vorliegen, denn der Velotunnel bedient deren Interessen. Wir wissen alle, dass es echte Parking-Kapazitäten im Zentrum nur noch unterirdisch geben kann (auch für die Autos). Der Bau des Durchgangsbahnhofs wird den Platz für zehn Jahre massiv beschränken, auch auf den Autofahrspuren. Jedes FDP- und TCS-Mitglied wird froh sein, um die Verschiebung des Veloverkehrs. Aber auch Radfahrenden muss man etwas bieten, etwa einen schnellen Zugang zum Bahnhof. Ein Hotelier fordert in einem Flyer eine ökonomischere Lösung für die Velos. Ja, aber bitte wo? Ökonomischer würde bedeuten: oberirdisch. Ist er wirklich dafür, grosse Zahlen von Strassen-Parkplätzen zu opfern? Der Velo-Verkehr ist nicht «ein Problem», sondern ein wichtiger Teil der Lösung. Das muss uns etwas wert sein. Deshalb die Bitte an alle Autofahrenden: Sagen Sie Ja zur Velostation Luzern, im ureigenen Interesse!

Urs Reutimann, Luzern

 

 

Velostation ist nicht teurer

Die Velostation Luzern ist nicht teurer als vergleichbare Velostationen in anderen Städten. Die LZ erwähnt es selber: Die neue Velostation am Bahnhof Zürich Stadelhofen kostet 15 Millionen für 800 Plätze. In Luzern bekommt man für 17.8 Millionen mindestens 1200 Plätze. Für den Ausbau des Stadttunnels zur Velostation veranschlagt die Stadt Zürich 16.3 Millionen Franken für rund 1000 Plätze. Auch die Velostation beim Zürcher Hauptbahnhof kostete vor fünf Jahren bereits 14 Millionen, obschon man diese damals in ein grösseres Bauvorhaben, den Tiefbahnhof, integrieren konnte.

Luzern braucht dringend mehr Veloparkplätze in der Umgebung des Bahnhofs, denn es gibt viel zu wenige und schon bald werden beim Bau des Durchgangsbahnhofs die meisten Abstellplätze rund um den Bahnhof wegfallen.
Martin Abele, Grossstadtrat

Mit der Velostation schaffen wir Raum für eine saubere Parkierung der Velos mit direktem Zugang zum Bahnhof. Dies schafft wiederum Platz an der Bahnhofstrasse, die zu einer echten Flanierzone umgestaltet werden kann, ohne dass überall Velos herumstehen. Die Station entspricht von der Konzeption und vom Bewirtschaftungskonzept her derjenigen am Centralbahnplatz in Basel, die gut ausgelastet ist. Die Velostation Luzern ist eine Investition in die Zukunft: Sie schafft sichere und gute Veloparkplätze für die nächsten Jahrzehnte – auch für die Bauzeit des Durchgangsbahnhofs. Und sie gibt dem Velo Schub, was wiederum gut ist fürs Klima!

Martin Abele, Luzern

 

Veloinfrastruktur darf etwas kosten

Schaut man über den Tellerrand hinaus, ist die Aussage im Titel des Artikels schnell widerlegt: Die in Luzern geplante Velostation kostet ähnlich viel wie vergleichbare Projekte in anderen Städten. Trotzdem könnte man argumentieren, dass sie teuer ist. Doch weshalb darf Veloinfrastruktur nichts kosten?

In den letzten 100 Jahren hat man für das Auto Milliarden in Strassen oder Parkhäuser investiert. Das Resultat: überall Asphalt, Parkplätze, Fussgänger:innenampeln. Und heute noch träumt man von Investitionen in einen Autobahntunnel für 1,7 Milliarden, dessen Nutzen höchst fragwürdig ist.

Die Stadt Luzern braucht und will eine Verkehrswende mit einer Verlagerung hin zum öffentlichen und zum Velo- und Fussverkehr. Dies um klimafreundlicher zu werden, Platz zu sparen, die Luft weniger zu verschmutzen, Stau zu vermeiden, die Lebensqualität zu erhöhen und Lärmemissionen zu reduzieren. Um dies zu erreichen, müssen wir bereit sein, gewisse Investitionen in die Veloinfrastruktur zu tätigen und Anreize fürs Velofahren zu schaffen. Die Velostation ist in diesem Sinne ein langfristig angelegtes Zukunftsprojekt. Die nächsten 100 Jahre dem Velo!

 

Elias Steiner
Die in Luzern geplante Velostation kostet ähnlich viel wie vergleichbare Projekte in anderen Städten.
Elias Steiner, Co-Präsident GRÜNE Stadt Luzern

Doch kann sich die Stadt Luzern eine Velostation leisten? Dies ist wohl eher eine Frage der Prioritäten. Vor nicht langer Zeit stimmten 83% der Stimmbevölkerung einem Sonderkredit über 14,9 Millionen für die Zimmereggbadi zu – eine ähnliche Kostengrösse, welche eine Nutzung während vier Monaten durch ca. 25’000 Personen ermöglicht. Im Vergleich: Die Velostation ist ganzjährig offen und erlaubt pro Jahr gut 438’000 Parkierungen. Und zudem: Es gibt auch verdienende Menschen, die Velofahren und mit ihren Steuern durchaus zu den städtischen Finanzen beitragen.

Elias Steiner, Luzern

 

 

Velostation kostet so viel wie 500 Meter Autobahn

Die Velostation an der Reuss kostet so viel wie 500 Meter Autobahn. Laut Auskunft des Astra rechnet man heute mit 42 Millionen Franken pro Kilometer Autobahn. Der Vergleich zeigt: Die Velo-Gegner haben das Augenmass verloren.  Ferner wird dem Projekt vorgeworfen, es sei Luxus, die Zufahrtsrampe zu beheizen. Dabei wird ausgeblendet, dass die Zufahrts-Rampen für Auto-Parkhäuser standartmässig geheizt werden. Um Blechschäden zu vermeiden. Velofahrer werden verletzt, wenn sie im Winter auf der vereisten Zufahrt stürzen!

Die Radfahrer:innen sind die Stiefkinder der Luzerner Verkehrsplanung. Man hat sie vergessen, als 1991 der neue Bahnhof eingeweiht wurde. Man hat man unter dem Bahnhofplatz ein Auto-Parkhaus gebaut. Hätte man damals Raum für eine unterirdische Velo-Station geschaffen, hätte sie weniger gekostet.  Zum zweiten Mal wurden die Velos vergessen, als man das Parkhaus für die KKL Besucher vergrösserte. Zum dritten Mal vergass man die Radfahrer:innen als 2014 die Seebrücke saniert wurde.  Und jetzt will man die Velostation an der Reuss versenken.

Dabei liegen die Vorteile der Veloförderung klar auf der Hand: Radfahrer:innen sind Freunde des Klimas. Sie verpesten die Luft und das Klima nicht. Sie machen keinen Lärm und brauchen weniger Raum als die Autos. Die heutige Allee entlang der Reuss ist mit den parkierten Velos verstellt. Gehen die Räder in die Tiefgarage, wird die Baum-Allee schöner und breiter und es bleibt mehr Raum für die Fussgänger:innen.  Mit dem Preis von 500 Meter Autobahn können die Stimmbürger:innen die Zweiräder fördern und etwas Tapferes fürs Klima tun.

Rolf Wespe, Luzern